Ein Vertrag ist das Fundament jeder Geschäftsbeziehung. Er regelt Leistungen, Zahlungen, Haftung, Fristen und was passiert, wenn etwas schiefgeht. Wenn Vertragspartner unterschiedliche Sprachen sprechen, muss dieser Vertrag in mehreren Fassungen vorliegen, und jede davon muss dasselbe bedeuten. Die Übersetzung von Verträgen gehört deshalb zu den anspruchsvollsten Aufgaben im Übersetzungswesen.

Dieser Beitrag erklärt, warum Vertragsübersetzungen besondere Sorgfalt erfordern, welche Fehler häufig passieren und wie Sie einen geeigneten juristischen Fachübersetzer finden.

Jedes Wort hat Gewicht

In einem Werbetext sind Synonyme willkommen. In einem Vertrag sind sie gefährlich. Wenn ein Begriff einmal definiert wurde, muss er im gesamten Dokument gleich übersetzt werden. Wechselt der Übersetzer zwischen „Lieferant“, „Anbieter“ und „Verkäufer“, kann im Streitfall unklar werden, ob damit dieselbe Partei gemeint ist.

Ebenso heikel sind Modalverben. Im Englischen unterscheiden „shall“, „will“, „may“ und „must“ zwischen Pflicht, Absicht und Möglichkeit. Im Deutschen müssen diese Nuancen mit „ist verpflichtet“, „wird“, „kann“ oder „darf“ korrekt wiedergegeben werden.

Zwei Rechtssysteme, eine Übersetzung

Verträge sind in ein Rechtssystem eingebettet. Ein nach englischem Recht formulierter Vertrag verwendet Begriffe des Common Law, die im deutschen Recht keine direkte Entsprechung haben. Umgekehrt enthalten deutsche Verträge Konzepte wie die Vertragsstrafe, die Gewährleistung oder die Schriftformklausel, die im englischen Recht anders geregelt sind. Ein juristischer Fachübersetzer kennt beide Systeme und wählt eine Übersetzung, die den rechtlichen Gehalt korrekt transportiert.

Verbindliche Fassung oder Lesefassung

Vor Beginn der Übersetzung sollte klar sein, welchen Status die Übersetzung hat. Viele zweisprachige Verträge enthalten eine Klausel, welche Sprachfassung im Streitfall maßgeblich ist. Ist die Übersetzung nur eine Lesefassung zur Information, kann sie etwas freier formuliert sein. Ist sie gleichrangig verbindlich, muss sie mit größter Präzision erstellt und am besten zusätzlich von Juristen beider Seiten geprüft werden.

Typische Vertragsarten

  • Kauf- und Lieferverträge im internationalen Handel
  • Arbeitsverträge und Aufhebungsvereinbarungen
  • Gesellschaftsverträge und Gesellschaftervereinbarungen
  • Lizenz-, Vertriebs- und Franchiseverträge
  • Miet- und Immobilienkaufverträge
  • Geheimhaltungsvereinbarungen und Absichtserklärungen

Juristische Übersetzung Englisch Deutsch

Englisch ist die häufigste Vertragssprache im internationalen Geschäft. Deutsche Unternehmen erhalten Vertragsentwürfe oft auf Englisch und benötigen eine deutsche Fassung für die interne Prüfung, den Betriebsrat oder die Geschäftsführung. Umgekehrt müssen deutsche Standardverträge und AGB für ausländische Partner ins Englische übertragen werden. Dabei sollte auch geklärt werden, ob britisches oder amerikanisches Englisch gewünscht ist.

Französisch und weitere Sprachen

Neben Englisch spielen Französisch, Spanisch, Italienisch, Polnisch und Chinesisch eine große Rolle. Für Geschäfte mit Frankreich, Belgien oder der Schweiz ist ein juristisch erfahrener Übersetzer Französisch Deutsch gefragt, der die Besonderheiten des französischen Vertragsrechts kennt.

Mehr als Wirtschaftsverträge

Auch im privaten Bereich werden Rechtsdokumente übersetzt. Nach einer Scheidung im Ausland muss das Urteil in Deutschland anerkannt werden, und dafür ist eine beglaubigte Übersetzung Scheidungsurteil nötig. Eheverträge, letztwillige Verfügungen und Unterhaltsvereinbarungen folgen ähnlichen Anforderungen an Präzision.

Häufige Fehler in Vertragsübersetzungen

Zu den typischen Fehlern gehören uneinheitlich übersetzte Definitionen, falsch übertragene Fristen und verwechselte Parteienbezeichnungen. Auch Zahlenformate sorgen für Probleme: Im Englischen trennt ein Komma die Tausender, im Deutschen der Punkt. Aus 1,500 Euro im englischen Original kann bei Unachtsamkeit ein völlig anderer Betrag werden. Ebenso kritisch sind Datumsangaben, wenn das amerikanische Format Monat, Tag, Jahr nicht erkannt wird. Solche Details wirken banal, können aber über die Wirksamkeit einer Kündigung oder die Höhe einer Zahlung entscheiden.

Ein weiterer Fehler ist die unkritische Übernahme von Begriffen aus Wörterbüchern. Viele juristische Begriffe haben mehrere mögliche Übersetzungen, von denen nur eine im konkreten Rechtszusammenhang passt. Wer beispielsweise „consideration“ einfach mit „Berücksichtigung“ übersetzt, hat den juristischen Sinn völlig verfehlt.

Vertraulichkeit

Verträge enthalten Geschäftsgeheimnisse, Preise und strategische Informationen. Ein seriöser Übersetzungsdienstleister behandelt diese vertraulich, arbeitet mit Geheimhaltungsvereinbarungen und überträgt Dateien verschlüsselt. Kostenlose Onlineübersetzer sind für Vertragsentwürfe tabu, da die Daten auf fremden Servern landen können.

Qualitätssicherung

Professionelle Vertragsübersetzungen durchlaufen mehrere Prüfschritte. Nach der Übersetzung prüft ein zweiter Fachübersetzer den Text auf Vollständigkeit, Terminologie und Konsistenz. Zahlen, Daten, Fristen und Verweise auf Paragrafen werden besonders sorgfältig kontrolliert. Bei sehr wichtigen Verträgen empfiehlt sich zusätzlich eine Prüfung durch einen zweisprachigen Juristen.

Informationen zur anwaltlichen Beratung bei internationalen Verträgen bietet die Bundesrechtsanwaltskammer.

Was kostet eine juristische Übersetzung

Die Kosten einer juristischen Übersetzung richten sich nach Umfang, Sprachpaar, Schwierigkeitsgrad und Lieferzeit. Abgerechnet wird meist pro Wort oder Normzeile. Juristische Texte liegen preislich über allgemeinen Texten, weil sie Spezialwissen und mehr Recherche erfordern. Beglaubigungen und Eilzuschläge kommen gegebenenfalls hinzu.

Tipps für Auftraggeber

Senden Sie immer die finale Fassung des Vertrags, damit keine Nachübersetzungen nötig werden. Nennen Sie das anwendbare Recht und den Zweck der Übersetzung. Stellen Sie frühere Verträge oder Glossare zur Verfügung, damit die Terminologie mit Ihren bestehenden Dokumenten übereinstimmt. Und planen Sie genug Zeit für die Prüfung ein, besonders vor wichtigen Verhandlungsterminen. Rückfragen des Übersetzers sind dabei kein Zeichen von Unsicherheit, sondern von Sorgfalt.

Den richtigen Partner wählen

Die juristischen Übersetzungen von PoliLingua werden von Fachübersetzern mit juristischem Hintergrund erstellt und nach dem Vier-Augen-Prinzip geprüft, in zahlreichen Sprachkombinationen.

Fazit

Ein gut übersetzter Vertrag schafft Klarheit, ein schlecht übersetzter schafft Streit. Investieren Sie in juristische Fachübersetzung, bevor Sie unterschreiben, nicht erst, wenn der Konflikt da ist.